Jüdische Gemeinde Recklinghausen
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 Jüdische Kultusgemeinde Kreis Recklinghausen in Zahlen und Fakten (historische Auskunft)

 

Im Jahre 1816 kamen zwei jüdische Familien in die Stadt. Es waren die Familien von Jonas Kossmann und Josef Mai. Später zogen noch einige Familien in die Stadt.

1827 wurde die Jüdische Gemeinde zu Recklinghausen gegründet. 1829 wurde die Jüdische Gemeinde amtlich ins Stadtregister eingetragen.

1880 wurde die Synagoge erbaut. 1905 wurde der neue jüdische Friedhof, Nordcharweg, eröffnet, der auch heutzutage besteht.

Im Jahre 1914 zählte die Gemeinde zu Recklinghausen ca. 300 Mitglieder. Während des Ersten Weltkrieges sind 15 Mitglieder der Gemeinde auf Schlachtfeldern gefallen. 1928 erreichte die Gemeindegröße ihren Höhepunkt — die Mitgliederzahl betrug 700. Das geschah infolge eines großen Zuflusses von Flüchtlingen aus den osteuropäischen Ländern. 1932 wurde die Gemeinde kleiner, weil viele Juden wegen der wirtschaftlichen Depression Deutschland verließen. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden die Juden systematisch verfolgt.

Einem Teil der Recklinghäuser Juden gelang es zu emigrieren, aber ungefähr die Hälfte blieb in der Stadt. In der berüchtigten „Kristallnacht" (der große jüdische Pogrom, inspiriert durch die Nazi-Regierung) wurde die Synagoge niedergebrannt, viele Juden wurden geschlagen und verhaftet.

Vom 29. Januar bis zum 31. März wurden alle hier gebliebenen Juden von Recklinghausen nach Riga (Lettland) in ein Getto deportiert. Nach der Auflösung des Rigaer Gettos am 3. November 1943 wurden die am Leben gebliebenen Juden in die Konzentrationslager Auschwitz, Treblinka, Maidanek, Mauthausen verschleppt.

Ende 1945 kehrten wenige, durch ein Wunder überlebende Recklinghäuser Juden in die Stadt zurück. Sie hatten G-ttesdienste in der Wohnung von Ludwig de Vries, der die Jüdische Gemeinde Recklinghausen mit enormer Mühe wiederherstellte. 1952 wurde die Jüdische Gemeinde — die Jüdische Kultusgemeinde „Bochum - Herne - Recklinghausen" - amtlich registriert (wegen der geringen Mitgliederanzahl bestand die Gemeinde aus Juden von drei Städten). G-ttesdienste fanden in Recklinghausen statt. Im Jahre 1983 zählte die Gemeinde 80 Mitglieder. Anfang der 90er Jahre begann die Auswanderung der Juden aus den Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Die Zunahme an neuen Mitgliedern war so hoch, dass die Entscheidung über die Trennung in zwei Gemeinden getroffen wurde: „Bochum — Herne" und die Jüdische Kultusgemeinde Kreis Recklinghausen (seit dem 1. Januar 1999).

1997 wurde das neue Gebäude der Synagoge in Recklinghausen gebaut.

Ende des Jahres 1999 zählte die Gemeinde 350 Mitglieder. Heutzutage liegt die Mitgliederzahl bei 600.

Am 29. September 2009 feiern wir das 180-jährige Jubiläum unserer Gemeinde.

Gemeinde Gebaeude

"Vorspiel zur Tragödie" (Quelle: ZDFmediathek, 05.11.2013)

Die Reichspogromnacht am 9. November 1938

Die Reichspogromnacht war ein einschneidendes Ereignis der deutschen Geschichte: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Deutschland und Österreich Synagogen, jüdische Gemeindehäuser und Geschäfte beschädigt und zerstört. "Ich habe das gar nicht begriffen", erinnert sich der Schauspieler Günter Lamprecht, der die Pogromnacht als Kind in Berlin erlebte. 

Willkürliche Gewalt und Unrecht

Die Aufmärsche der Jugend, die Heimabende der Hitlerjugend, die Gewalt. Das alles war ihm als Achtjähriger ein Gräuel. Sein Vater war ein strammer SA-Mann, seit 1925 bereits Mitglied der NSDAP. Die braune Uniform habe etwas mit seinem Vater gemacht, ist Lamprecht überzeugt. Der Familie ging es besser, man zog in eine größere Wohnung. Lamprecht musste die Veranstaltungen der Jugendorganisationen besuchen, so zum Beispiel dem Fanfarenzug beitreten. Dort wurden Lieder wie "Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt" gesungen. "Da habe ich nicht hingepasst", so Lamprecht. In eine verkehrte Welt sei er hineingeraten. Einst angesehene Mitbürger waren nun unbeschränkter Gewalt und Willkür ausgeliefert: "Das war Unrecht", sagt er.

Mit der Pogromnacht gingen die Nationalsozialisten zur offenen Gewalt gegen die jüdische Minderheit im Deutschen Reich über. Es brannten Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört, jüdische Bürger misshandelt. Als Vorwand für die Übergriffe diente den Nationalsozialisten das Attentat des 17-jährigen Juden Herschel Grynszpan auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath am 7. November 1938 in Paris. Propagandaminister Joseph Goebbels nutzte die Gelegenheit, um bei einem Treffen von Parteiführern in München das Signal für die Gewaltaktionen zu geben. In der Öffentlichkeit versuchte die NS-Führung, die Welle der Gewalt als "spontanen Ausbruch des Volkszorns" erscheinen zu lassen.

"Keine Hoffnung mehr in diesem Land"

Doch für die Juden gab es in diesem Land keine Hoffnung mehr. Troller kam 1945 als US-Soldat zurück in seine Heimat. Er gehörte zu den Befreiern des Lagers Dachau. „Dass ich je jemanden getroffen hätte, der sich bei mir entschuldigt, der gesagt hätte, ich war schuldig, verzeihen Sie mir – das ist mir nie passiert“. Rückblickend ist für ihn klar: "Die Pogromnacht war ein Vorspiel zu einer Tragödie, die später stattfand - und man hat sie auch als solche empfunden!" Am Ende stand der Holocaust.

 

 

Jüdische Familien im Ruhrgebiet.

(Ausschnitt: Lokalzeit aus Dortmund vom 09.11.2013)